Sobald du selbstständig wirst oder eine Firma gründest, stellt sich die Frage: Brauche ich ein eigenes Geschäftskonto - und wenn ja, bei welcher Bank? Die Antwort hängt von deiner Rechtsform ab. Bei der GmbH ist ein spezielles Konto sogar zwingend für die Gründung.
Dieser Artikel zeigt dir, wann du ein Geschäftskonto brauchst, welche Unterlagen nötig sind, was es kostet und worauf du beim Kapitaleinzahlungskonto für die GmbH achten musst. Stand: 2026.
Wann du ein Geschäftskonto brauchst
Ob ein Geschäftskonto Pflicht ist, hängt von der Rechtsform ab:
Einzelfirma
Rechtlich darfst du dein Privatkonto nutzen. In der Praxis lohnt sich ein separates Geschäftskonto fast immer: Es trennt Privates von Geschäftlichem, vereinfacht die Buchhaltung und macht die Steuererklärung nachvollziehbar. Viele Banken bieten günstige Konten für Einzelfirmen.
GmbH und AG
Kapitalgesellschaften sind eine eigene juristische Person und brauchen zwingend ein eigenes Konto. Für die Gründung ist zudem ein Kapitaleinzahlungskonto nötig (siehe nächster Abschnitt). Die Vermischung mit Privatvermögen ist hier nicht nur unpraktisch, sondern rechtlich heikel.
Auch als Einzelfirma gilt: Trenne von Tag eins an. Ein separates Konto kostet wenig, spart aber bei der Buchhaltung Stunden und schützt dich bei einer Steuerprüfung vor mühsamen Erklärungen.
Das Kapitaleinzahlungskonto für die GmbH
Wer eine GmbH (Stammkapital CHF 20'000) oder AG (Aktienkapital CHF 100'000, mind. CHF 50'000 liberiert) gründet, muss das Kapital vor dem Notartermin auf ein Kapitaleinzahlungskonto einzahlen - ein spezielles Sperrkonto.
Sperrkonto eröffnen
Du eröffnest bei einer Bank ein Kapitaleinzahlungskonto auf den Namen der "GmbH in Gründung". Dafür brauchst du die Statuten und Angaben zu den Gesellschaftern.
Kapital einzahlen
Du überweist das Stammkapital auf das Sperrkonto. Das Geld ist bis zum Handelsregistereintrag blockiert.
Bestätigung für den Notar
Die Bank stellt eine Kapitaleinzahlungsbestätigung aus. Diese braucht der Notar für die öffentliche Beurkundung der Gründung.
Umwandlung in Geschäftskonto
Nach dem Handelsregistereintrag wird das Sperrkonto freigegeben und in ein normales Geschäftskonto umgewandelt. Das Kapital steht der Gesellschaft jetzt zur Verfügung.
📥 Gratis Schweiz-Checkliste
Die 10 wichtigsten Schritte für Selbstständige & Zuzüger in der Schweiz – kompakt als PDF, kostenlos.
📘 Passend zu diesem Artikel
Der komplette Gründungsguide
Vom Geschäftskonto über die Rechtsformwahl bis zur AHV-Anmeldung: Unser Gründungsguide führt dich Schritt für Schritt durch die Gründung in der Schweiz - mit Checklisten und Finanzplan-Tool.
Anbieter: Klassische Bank oder digitaler Dienst?
Bei der Wahl des Anbieters stehen sich zwei Welten gegenüber:
Klassische Banken
Kantonalbanken, Grossbanken, Raiffeisen und PostFinance bieten etablierte Geschäftskonten mit Filialnetz, persönlicher Beratung und der Möglichkeit, Kredite und das Kapitaleinzahlungskonto aus einer Hand zu beziehen. Dafür sind sie tendenziell teurer und die Eröffnung dauert länger.
Digitale Anbieter und Neobanken
Digitale Anbieter punkten mit schneller Online-Eröffnung, tiefen oder keinen Grundgebühren und guten Konditionen für Fremdwährungen. Im Gegenzug verzichtest du auf Filialberatung, und nicht jeder digitale Anbieter stellt Kapitaleinzahlungsbestätigungen für GmbH-Gründungen aus.
Wenn du eine GmbH gründest, kläre vorab, ob dein Wunsch-Anbieter ein Kapitaleinzahlungskonto anbietet und die Bestätigung zügig ausstellt. Nicht alle digitalen Dienste tun das - das kann den Gründungsfahrplan verzögern.
Kosten im Überblick
Kontoführung
Je nach Anbieter und Leistungsumfang. Digitale Anbieter sind oft günstiger, klassische Banken bieten mehr Service. Achte auf versteckte Gebühren bei Zahlungen, Karten und Fremdwährungen.
Kapitaleinzahlungsbestätigung (GmbH/AG)
Fällt nur bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft an. Manche Banken erlassen die Gebühr, wenn du danach Kunde bleibst.
Transaktionen & Karten
QR-Rechnungen empfangen ist meist gratis, ausgehende Zahlungen je nach Paket. Eine Geschäfts-Debit- oder Kreditkarte kostet oft extra. Fremdwährungszahlungen haben eigene Tarife.
Konto eröffnen: Der Ablauf
Die Eröffnung läuft in der Regel so ab:
- Anbieter vergleichen: Grundgebühr, Zahlungs- und Fremdwährungskonditionen, und ob ein Kapitaleinzahlungskonto angeboten wird.
- Unterlagen bereitlegen: Ausweis, Wohnsitznachweis, Angaben zum wirtschaftlich Berechtigten; je nach Rechtsform Handelsregisterauszug bzw. Gründungsunterlagen und die UID.
- Antrag stellen: Online oder in der Filiale. Bei der GmbH zuerst das Kapitaleinzahlungskonto, später die Umwandlung.
- Identität prüfen: Per Video-Ident oder in der Filiale.
- Freischaltung: Bei digitalen Anbietern oft innert Tagen, bei klassischen Banken kann es 1-2 Wochen dauern.
Häufige Fehler
- Privat und Geschäft vermischen: Der häufigste und teuerste Fehler - er macht die Buchhaltung zum Albtraum.
- Anbieter ohne Kapitaleinzahlungskonto wählen: Bei der GmbH-Gründung ein Showstopper.
- Nur auf die Grundgebühr schauen: Transaktions- und Fremdwährungsgebühren machen oft den grösseren Teil aus.
- Zu spät starten: Die Kontoeröffnung braucht Zeit - plane sie früh in den Gründungsfahrplan ein.
📘 Direkt loslegen
Gründungsguide Schweiz - CHF 59
Komplettpaket für deine Gründung: Schritt-für-Schritt-Guide, Businessplan-Vorlage, Finanzplan-Tool und Checklisten - inklusive Konto- und Behörden-Fahrplan für die Schweiz 2026.
Häufig gestellte Fragen
Braucht eine Einzelfirma ein Geschäftskonto?
Gesetzlich nicht, aber dringend empfohlen. Ein separates Konto trennt Privates und Geschäftliches und vereinfacht Buchhaltung und Steuererklärung erheblich.
Was ist ein Kapitaleinzahlungskonto?
Ein Sperrkonto für das Stamm- oder Aktienkapital bei der Gründung einer GmbH oder AG. Die Bank stellt die Kapitaleinzahlungsbestätigung für den Notar aus; nach dem HR-Eintrag wird es zum normalen Geschäftskonto.
Was kostet ein Geschäftskonto?
Kontoführung meist CHF 0-30 pro Monat, plus ca. CHF 200-400 einmalig für die Kapitaleinzahlungsbestätigung bei GmbH/AG. Dazu Gebühren für Karten, Zahlungen und Fremdwährungen.
Welche Unterlagen brauche ich?
Ausweis, Wohnsitznachweis, Angaben zum wirtschaftlich Berechtigten sowie - je nach Rechtsform - Handelsregisterauszug oder Gründungsunterlagen und die UID.
Quellen
- KMU-Portal des Bundes (Gründung): kmu.admin.ch - KMU gründen
- Obligationenrecht (GmbH-Kapital, Art. 773): Fedlex - OR
- Zentraler Firmenindex (Zefix): zefix.ch